Andacht zum Sonntag Judika am 29. März 2020

(Hinweis: Die Andacht finden Sie auch als Youtube-Video.)

Mitwirkende beim Video

  • Aufnahme Glockengeläut: Michael Schüssler
  • Orgelvorspiel: Tobias Berndt
  • Grußwort-Lesung-Gebet: Pf. Jabs
  • Predigt: Pf. Jabs
  • Orgelzwischenspiel: Tobias Berndt und Hannes Maczey (Solist bei der Mahlsdorfer Abendmusik am 20. September 2020, 17 Uhr)
  • Gebet und Segen:  Pf. Jabs
  • Orgelnachspiel: Tobias Berndt
  • Redaktionelle und technische Bearbeitung der Fotos, Videos, Musik und Texte sowie Veröffentlichung auf der Internetseite der Kirchengemeinde Mahlsdorf:  Joachim Hübener

 


Orgelvorspiel

Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Grave-Adagio aus der 2. Sonate in c-Moll, op. 65

Grußwort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.   Amen

Tagesgebet

Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt. Auch wenn täglich Menschen Krankheit oder Unrecht widerfährt, in vielen Teilen der Erde Menschen unter Armut und Trauer leiden, du kannst Licht in die dunklen Seiten des Lebens bringen. Du hast ein offenes Herz für jeden und jede. Keiner rückt bei dir in den Schatten. Zeige auch uns Wege der Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Liebe, um alle Menschen die Lichtseiten des Lebens spüren zu lassen – gerade jetzt. Amen

Lesung Hebr. 13,12-14

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.
14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Predigt

Liebe Gemeinde!
In diesen Tagen hören wir viel über Corona. Eine Stimme möchte ich wiederholen.
Die Medizinethikerin Christiane Woopen Vorsitzende des Europäischen Ethikrats erinnert daran, dass es auch darum gehen müsse, kranke Menschen zu begleiten, wenn sie tragischerweise sterben müssten. „Ein völlig überlastetes Gesundheitssystem kann dann irgendwann keine würdigen Umstände mehr für das Sterben bereitstellen“, sagt Woopen. „Wir möchten doch die Menschen, die in diese Situation kommen, auch begleiten, für sie da sein.“ Die Palliativmedizin müsse vorhanden sein, um die Not zu lindern und schwere Symptome abzufangen und den verbleibenden Stunden und Tagen noch eine gute Qualität zu geben und Menschen vor Leid zu bewahren.
Diese Stimme ist mir wichtig geworden. Heute wiederhole ich sie aus einem einfachen Grund: Sie ruft auf, sich denen zuzuwenden, die draußen sind. Menschen, die nicht mehr geheilt werden in unseren Krankenhäusern. Sie sind sozusagen draußen vor dem Tor:
12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen.

Seine Schmach tragen. Die Schmach Jesu ist das Kreuz. Die Schmach, das Kreuz tragen erinnert an einen Vers des Lukasevangeliums Lk. 23,26
26 Und als sie Jesus abführten, ergriffen sie einen, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, und legten das Kreuz auf ihn, dass er's Jesus nachtrüge.
Simon trug Jesu das Kreuz. Er half ihm sein Leid, seine Not aushalten, ertragen zu können. Simon blieb keine Wahl. Er wurde von Soldaten ergriffen und musste Jesus das Kreuz nachtragen. Im Hebräerbrief werden Christen aufgerufen freiwillig hinauszugehen und zu tragen.
Die Not anderer Menschen mittragen in der Familie in der Nachbarschaft oder auch über Ländergrenzen hinweg, das ist auch heute möglich und gerade jetzt wichtig.
Auch wir kennen beides. Manchmal bleibt keine Wahl. In der Familie ist es selbstverständlich füreinander da zu sein. Man lebt ja miteinander, man kann und will sich nicht entziehen. Viele sind beruflich eingebunden in systemrelevanten Arbeitsverhältnissen. Für andere hingegen übernehmen Menschen freiwillig das Mittragen, das Helfen.
Vielleicht kann hier Kirchengemeinde sogar vermitteln. Sollte jemand bereit sein für jemand anderen einzukaufen, sei es eine angeordnete Quarantäne, sei es aus Alters- oder Gesundheitsgründen. Dann rufen Sie im Büro oder bei uns Pfarrern an. Gern vermitteln wir solche Kontakte auch über die direkte Nachbarschaft hinaus. Der Anfang ist bereits gemacht.
Ich möchte die heutige Andacht zum Anlass nehmen Danke zu sagen. Danke allen, die tragen helfen den Nächsten in unmittelbarer Nähe und ganz besonders Dank allen, die in systemrelevanten Berufen oder ganz freiwillig denen zur Seite stehen, die in große Not geraten sind. Den Erkrankten in den Intensiv-betten. Danke für jede Heilung.
Ganz besonderen Dank an die, die auch noch da sind für die Sterbenden. Die auf dem letzten Weg begleiten und schwer mittragen wie einst Simon von Kyrene.
Sie alle helfen Gott seine Zukunft in unsere Welt zu tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Hebr. 13,14
Wir suchen die neue Herrlichkeit nach der Schmach, das neue Leben nach dem Kreuz, das Abwischen aller Tränen, die Zuwendung für jedem Menschen, der in Not ist. So geschieht der Welt das Heil und so wird Frieden mitten in dieser Zeit.
Amen

Orgel

Johann Sebastian Bach (1685-1750): „Wohl mir das ich Jesum habe“
Trompete und Orgel (Hannes Maczey Trompete und Bearbeitung)

Gebet

Christus unser Retter, Deine Schmach des Kreuzes hat Gott in Leben, Hoffnung und Zuwendung verwandelt. Glücklich hast du gepriesen, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.
Wir beten für alle, die arm sind, die nicht genug zu essen, zu trinken und anzuziehen haben. Lass ihnen Menschen begegnen, die ihre Not sehen und helfen, diese zu überwinden.
Wir beten für alle, die verfolgt werden, die im Krieg leben und denen Unrecht geschieht. Lass sie spüren, dass Menschen für Sie beten, sich für sie einsetzen, Ihnen helfen.
Wir beten für alle, die traurig sind, weil sie Abschied nehmen müssen von lieb gewonnenen Angehörigen oder weil sie enttäuscht worden sind. Gib ihnen Menschen zur Seite, die in schweren Stunden mitgehen und trösten.
Wir beten für alle die in Quarantäne warten. Lass sie den Beistand erhalten, den sie brauchen. Wir bitten dich für die Erkrankten, die um ihr Leben kämpfen müssen: Halte deine Hand schützend über sie und bewahre denen, die sie behandeln und die sie pflegen ihre Kraft und Menschlichkeit. Wir beten alle die im Sterben liegen, lass Sie erfahren in Würde und geachtet leben zu können bis zum letzten Atemzug.
Wir beten für Deine Kirche auf der ganzen Erde, gib uns den Mut und die Vollmacht, gegen das Treiben des Todes in Jesu Namen das Wort des Lebens zu setzen.
Nimm dich unser gnädig an, rette und erhalte uns im Leben und im Sterben.

Vaterunser

Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Herr segne dich und er behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen

Orgelnachspiel

Mendelssohn Bartholdy (1809-1847): Fuga aus der 2. Sonate in c-Moll, op. 65

Datum: 
Sonntag, 29. März 2020