Gemeindeleben in der Kreuzkirche (1936 - 1986)

Aus der Festschrift "75 Jahre Ev. Kreuzkirche Mahlsdorf"

Kreuzkirche 1936

Am 26. Januar 1936 versammelte sich zum ersten Mal eine große Gemeinde zum Gottesdienst in der neu erbauten Ev. Kreuzkirche Berlin-Mahlsdorf. Seitdem hat unser Gotteshaus in allen wechselnden Zeitläufen einer großen oder kleineren Schar von Gemeindegliedern als Versammlungsstätte gedient, um das Wort Gottes zu hören, die Sakramente zu feiern und die Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi zu erleben. Viele Glieder der Kirchengemeinde wurden in ihr getauft und eingesegnet, viele Paare haben hier ihre Ehe unter den Segen Gottes gestellt und viele Angehörige fanden nach dem Tod eines geliebten Menschen hier Trost im Worte Gottes. So ist sie uns sehr ans Herz gewachsen und wir möchten sie nicht missen mit ihrem schlichten Äußeren und ihrem zu Gebet und Stille führenden Inneren. Wir bitten Gott, dass dieses Gotteshaus auch in Zukunft jungen und älteren Menschen eine Heimat sei und sie durch Wort und Sakrament im Glauben gestärkt werden und bereit sind für ein Leben als Christ in unserer Welt und Zeit. (Werner Nier, Pfarrer,Berlin-Mahlsdorf, den 26.1.1986)

Ehemalige Mitarbeiter und Älteste

„Es gibt keine größere Freiheit als die, den Willen Gottes zu erfüllen, und es gibt keine tiefere Seligkeit als die, in seinem Dienst zu stehen.“ Mit diesem Ausspruch, den der erste Pfarrer an der Kreuzkirche, Dr. Johannes Simon, gerne zitiert haben soll, sei herzlich und dankbar aller Ältesten und Mitarbeiter gedacht, die an der Kreuzkirche bisher tätig waren: Dr. Johannes Simon (geb. 1902, gefallen 1945) 1933 zunächst als Hilfsprediger, dann 1934 als 2. Pfarrer von Mahlsdorf gewählt und eingeführt mit Wohnung in der Hönower Str. 84-86, Leiter des Berliner evangelischen Männerwerkes. Er war auch als Volksmissionar tätig. Von 1941-1945, als beide Mahlsdorfer Pfarrer eingezogen waren, versahen die Pastoren Kalkoi und Lies den pfarramtlichen Dienst. Pfarrer Heinz Wilke (geb. 1916, gest. 1983) vom 6. 1. 1946 bis 5. 2. 1967 (letzten Abendmahlsgottesdienst). Danach übernahm er die Superintendentur Berlin-Pankow. Herzlich sei auch seiner Frau Ursula, geb. Mache (verst. 1975) gedacht, die in mütterlicher Weise ein Herz für alle Gemeindeglieder hatte.

Organisten und Chorleiter waren – nach einer kurzen Tätigkeit von Herrn Elsässer – Joachim Reichelt vom 3. 11. 1936 bis er 1944 im Kriege fiel. Erich Ihle von 1946 bis 1948, der auch als Katechet tätig war. Dann in Vertretungen Welzien, Mietke und Heinz Dietert. Erich Margenburg von 1951 bis 1956, war auch als Katechet tätig. Nach ihm überbrückte die Schülerin Rosemarie Schwarz die Vakanz. Als Katechetinnen waren in den Nachkriegsjahren für kurze Zeit Brüning und Hörner tätig. Hedwig Splittgerber (geb. 1901, gest. 1961) war von 1945 bis 1960 tätig, nachdem sie vorher schon für die Kinder der Gemeinde da war. Der Nordbezirk musste sich die Gemeindehelferinnen aus dem Burckhardthaus mit den anderen beiden oder mit einem anderen Bezirk teilen: Annemarie Hoffmann für die 3 Bezirke (1951 - 1952), Roswitha Buck für alle drei Bezirke (1952 - 1953), Helga Feurich für Süd und Nord (1953 - 1957), Irmgard Feller für Süd und Nord (1958 - 1962). Ihnen war in besonderer Weise die Jugend- und freie Kinderarbeit anvertraut.

1946 bekam der Nordbezirk eine eigene Schwesternstation, nachdem er in den Jahren vorher von Schwester Dora Schulz aus Süd und der Schwester Klara Türpitz aus Mitte mitversorgt wurde. Die ersten eigenen Schwestern waren: Schwester Rosa Leii von 1946 bis 1949, Diakonisse Margarete Graßmann von 1950 bis 1961, Schwester Liselotte Schwender von 1961 bis 1963, 1947 wurde der „Freundeskreis zur Erhaltung der Schwesternstationen” von Pfarrer Stöß gegründet. Er zählte schon im ersten Jahr 334 Mitglieder und trägt noch heute diese Arbeit mit.

Küster und Kirchendiener waren (nach einer kurzen Tätigkeit von Herrn Kreckow): Oskar Reich von 1937 bis 1947, Willi Hellge von 1947 bis 1969, Willi Baude von 1969 bis 1972 und nach vielen freiwilligen Kräften dann Magdalene Drohne von 1974 bis 1976. Für den Altarschmuck sorgte in vielen Jahren in liebevoller Weise Frau Martha Gierschner.

Johannes Graebe

Älteste an der Kreuzkirche im Laufe der Jahre: Klara Baumgärtner, Erich Brahma, Karl Heinrich, Karl Hermann, Willi Hellge, Ehrenältester Karl Weigel (†) Dr. Georg Forgber, Herr Himmel, Frieda Müller, Martha Rißmann, Hans Röhl, Richard Schröter, Walter Tetzlaff. Besonders sei hier Johannes Graebe gedacht, der von 1912 bis zu seinem Tod Ältester für den Nordbezirk war. Er verstarb auf dem Weg zur Bibelstunde, nachdem er am Sonntag vorher noch die Neukonfirmierten gegrüßt hatte. Diese Erinnerung an ehemalige Älteste und Mitarbeiter möge ein Wort des langjährigen Pfarrers an der Kreuzkirche, Heinz Wilke, beschließen, das er 1957 schrieb: „Möge uns in der Kirche die Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe erhalten bleiben, denn des Trennenden ist schon so viel, dass uns bange wird, was daraus noch werden soll. Möge Gott noch alles gnädig wenden.“.

Älteste und Mitarbeiter, die z. Zt. an der Kreuzkirche tätig sind: Karl Weigel seit 1954, Richard Roy seit 1974, Klaus Katsch seit 1980, Dr. W. Kruska seit 1980. Nachfolgeälteste: Günther Schulz, Elfriede Lotz, Pfarrer Werner Nier, gewählt am 20.4.1967 eingeführt am Palmsonntag 1969, Kantor Andreas Muntschick seit 1. 7. 1958, Katechetin Ingrid Modrow September 1972, Schwester Marianne Lutz seit 1963, Kirchendienerin Regina Nowosadko seit Nov. 1976, Heizer Hans Peter Fabis seit 1. 12. 1984. In der Vakanz zwischen Pfarrer Wilkes Weggang und Pfarrer Niers Anfang diente der Gemeinde vom Herbst 1968 bis zum Frühjahr 1969 als Pastor im Hilfsdienst Fred Bormeister.

Kindergottesdienst - Kinderkreise - Christenlehre - Jugendarbeit

Die Christenlehre wurde seit 1945 neu aufgebaut unter den Bedingungen der grundsätzlichen Trennung von Staat und Kirche. Seit 1947 gab es nach anfänglichen Schwierigkeiten für die Kinder der 1. bis 6. Klasse regelmäßige Christenlehrestunden – zunächst noch in den Schulräumen. In den 50er Jahren wurde der Unterricht in kircheneigene Räume verlegt – bei uns in den Vorraum der Kreuzkirche. Jeden Freitag hatten die Kinder unserer Gemeinde in vier Gruppen Christenlehre. Da sich die Kinder oft mit anders denkenden Kindern auseinandersetzen mussten, waren Lehrplanänderungen für die Christenlehre nötig. Außer biblischen Texten wurden jetzt auch andere kindgemäße Texte verwendet, die die biblische Botschaft verdeutlichen. Neben der Christenlehre gab es bei uns von 1951 bis 1979 zwei Kinderkreise. Seit 1980 gibt es regelmäßig Advents- und Osterbastelnachmittage und Kinder-Gemeinde-Nachmittage als Höhenpunkte für die Kinder im Gemeindeleben. Der Kindergottesdienst wird seit einigen Jahren parallel zum Gottesdienst für die Erwachsenen gehalten. Alle Helfer und Mitarbeiter haben Freude, den in den letzten Jahren größer gewordenen Kindergruppen die frohe Botschaft weiterzusagen und grüßen alle, die einmal in der Kreuzkirche gebastelt, gespielt, gemalt, zugehört und mitgedacht, mitgesungen und mit gebetet haben. Neben der Kinderarbeit war auch die Jugendarbeit ein wichtiger Zweig der Arbeit in der Kreuzkirche. Junge Menschen, die im Alter von 14 bis 18 Jahren wichtige Entscheidungen ihres Lebens treffen, wurden eingeladen zu den Abenden der Jungen Gemeinde, zu gemeinsamen Fahrten und Rüstzeiten. In den 50er Jahren wurde diese Arbeit vorwiegend von den Gemeindehelferinnen, später von Pfarrer Wilke und dem Ehepaar Muntschick getan. In den 70er Jahren wurde die Jugendarbeit von Pfarrer Nier zusammen mit Herrn Muntschick geleitet. Viele Jugendliche bleiben eine zeitlang im Kreis, gingen dann z. T. durch Ausbildung weg oder verzogen. Heute hat sich wieder eine kleine Schar gesammelt und wir hoffen, dass sich der Kreis festigt. Wir laden alle Jugendlichen der Gemeinde immer wieder herzlich ein, sich als Junge Gemeinde in der Kreuzkirche zu sammeln und gemeinsam einen Weg in der Zukunft der Kirche zu suchen. (Ingrid Modrow, Katechetin; Werner Nier, Pfarrer)

Die Arbeit mit Frauen

Die Frauenhilfe unserer Gemeinde trifft sich jeweils am dritten Donnerstag des Monats um 15.00 Uhr. Sie ist der erweiterte Bibelstundenkreis, der sich an den übrigen Donnerstagen zur gleichen Zeit trifft. 1930 wurde sie gegründet und traf sich bis 1936 im Gasthaus „Zur Sonne”. Ihr 25jähriges Jubiläum feierte sie 1955 recht festlich mit ökumenischen Gästen vom Nordisch-deutschen Kirchenkonvent. Der Frauenkreis trifft sich alle vierzehn Tage jeweils an einem Dienstag um 19.30 Uhr. Er ist aus dem Mütterkreis hervorgegangen, den das Ehepaar Wilke Anfang der 50er Jahre gründete. Auf dem Programm stehen: u. a. Bibelarbei, Rundgespräche, Lebensbilder, Basteln, Singen. (Elisabeth Muntschick)

Diakonie

Ab Dezember 1979 besteht in der Kreuzkirche eine diakonische Helfergruppe. Es sind Helfer. die beim Besuchsdienst, Krankengottesdienst, diakonischen Gottesdienst, fröhlichen Beisammensein älterer Menschen im Sommer, Kuchen- und Plätzchenbacken usw. mittun. 1979 hatte ich gefragt: „Was ist Diakonie?” Auf den anderen zugehen und ihm helfen! Im Jahr 1986 möchte ich mit den Worten vom Evangelischen Kirchentag im Lutherjahr 1983 schließen: aufeinander hören, miteinander reden, voneinander lernen, füreinander beten! (Schwester Marianne)